SOLVEIG SCHMID

21 Tage

1960 hielt der plastische Chirurg Dr. Maxwell Maltz in seiner Publikation „Psycho-Cybernetics“ schriftlich fest, dass Patient:innen mindestens 21 Tage brauchen, um sich an die Veränderung des eigenen Körpers zu gewöhnen. Es wird außerdem gesagt, wir bräuchten 21 Tage, um eine Gewohnheit zu verändern.
Diese Überlegungen sind Ausgangspunkt für den Titel der ersten Einzelausstellung von Solveig Schmid. In ihren Arbeiten nehmen Zeit und Materialität eine besondere Position ein. Die Chronologie der Arbeitsschritte, die ihren künstlerischen Prozess begleiten, ist im Laufe der Zeit zur Routine der Künstlerin geworden.
In Schmids großformatigen Werken sind feine Strukturen und dezente Kontraste deutlich sichtbar. Wie ein samtener Teppich legt sich Schicht über Schicht. Feststehende Körper sind dabei nur angedeutet und erscheinen lediglich als eine Spur auf der Leinwand, ohne explizit aufgegriffen zu werden.
Schmids Arbeit verbindet zeichnerische und malerische Elemente, ihre Flächen erscheinen wie Nahaufnahmen von Linien und Kanten. Daraus ergibt sich ein sinnliches Zusammenspiel, das die Komplexität des ursprünglich reduzierten Farbspektrums unterstreicht. Auf diese Weise untersucht die Künstlerin traditionelle Sehgewohnheiten und mögliche Größenverhältnisse im Raum. Unwillkürlich stehen die Betrachter:innen vor Fragen nach dem Innen und Außen, nach Nähe und Distanz.

Julia Meyer-Brehm