BONNIE BARTH

Stipendiatin 2024/25

Bonnie Barth (*2002, Berlin) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studiert seit Ende 2021 an der UdK Berlin und ist seit zwei Jahren in der Fachklasse von Josephine Pryde. Sie ist Mitherausgeberin des selbständigen Fan-Zine „Tutti Frutti Magazine“, das im November letzten Jahres sein Release hatte.

In der Malerei beschäftige ich mich mit dem möglichen Spielraum der Materialien. Für mich beinhaltet der malerische Prozess das Experimentieren mit unüblichen Malgründen und Farben als auch die Ungewissheit, wie ein Bild reagiert. Beides erfolgt in diesem Fall hinsichtlich Nagellack und Schaumstoff. Die ungewisse Verträglichkeit und begrenzte Lebensdauer der widernatürlichen Stoffe stehen bei mir im Vordergrund. Die Beobachtung der diesbezüglichen Entwicklung über die Zeit spielt in meiner Arbeit ebenfalls eine Rolle.

Die Materialien, die ich zum Malen benutze, sind dem Alltag entnommen. Es sind banale Stoffe, die in ihrer Kombination keinen logischen Zusammenhang aufweisen. Der Schaumstoff wird zur Dämmung und Isolation von Wärme, Druck und Sound verwendet. Der Nagellack ist ein kosmetisches Schönheitsprodukt. Als solche haben sie keine Verbindung zur Malerei. Trotzdem ist es ihnen möglich, zu einem Bild zu werden. Im Malprozeß nimmt das schwammartige Material des Schaumstoffs den Nagellack einerseits auf, bewahrt dabei andererseits jedoch trotz des ätzenden Acetons in der Farbe seine spezifische Struktur. Der Nagellack sickert nicht ein. Er steht auf dem Schaumstoff und erhärtet als neue Oberfläche. In mehreren Schichten kreiert er einen Duktus. Am Ende entsteht so eine alternative Form eines klassischen Gemälde. Auf diese Weise bewege ich mich im Kontext Malerei ohne althergebrachte Techniken wie Öl auf Leinwand anzuwenden. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass ich bei weitem nicht die erste Malerin bin, die diesen Weg wählt. Vielmehr knüpfe ich an eine schon breite Tradition an, die mit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.

Der unorthodoxen Materialität steht das extrem klassische Sujet der Wasseroberfläche als Kontrast gegenüber, gleichgültig ob vom Rande des Meeres, Sees oder Pools aus gesehen. Die Szenerie ist auf ihre Art minimalistisch gehalten und weißt trotz vereinzelter Details, die auf solche hinweisen, keine Menschen oder andere Figuren auf. Das Wasser ist die einzige Bewegung im Bild. Die Perspektive ist flächig. Der Hintergrund ist freigelassen und wird von der jeweiligen Materialfarbe des Schaumstoff bestimmt. Gleichwohl tauchen hier jeweils unterschiedliche geometrische Elemente auf, ein Kreis, ein Rechteck, ein Stern etc., die auf den ersten Blick wie Fremdkörper im Bild erscheinen, aber dennoch in diesem aufgehen und u.a. für zusätzliche räumliche Tiefe sorgen.

Äußerlich deuten die Bilder Pop an und spielen mit heiteren Farben, das alleinstehen der einzelnen Motive lässt den Bildraum dennoch ein wenig skurril wirken. Der gemalte Raum wirkt an sich nicht natürlich sondern eher künstlich, eine ästhetische Eigenschaft die mich persönlich beschäftigt.