JANE GARBERT & SOLVEIG SCHMID

between

30.09. – 16.11.2022

Das Äquivalenzzeichen ≈ approximately equal (ungefähr gleich/sich annähernd ) wurde von den Künstlerinnen Jane Garbert und Solveig Schmid als Piktogramm für Ihre Duo-Präsentation mit dem Titel between gewählt.
Die beiden geschwungenen übereinander liegenden Schlangenlinien stehen im mathematischen Kontext für die Darstellung eines ungefähr gleichen Größenverhältnisses zweier oder mehrerer Zahlen bzw. Terme. Der gelb-orange Farbverlauf des Hintergrunds symbolisiert die Wellen innerhalb des Farb- oder Lichtspektrums, die vom menschlichen Gehirn als bekannte Spektralfarben interpretiert werden. Je nach Wellenlänge des Lichts interpretieren wir eine andere Farbe. In der Ausstellung werden diese physikalischen und mathematischen Phänomene ebenso durch künstlerische Werkzeuge wie Pinsel, Leinwand, Öl- und Acrylfarben wie durch Kunstoff und Plexiglas
untersucht. Das non-verbale Zwiegespräch der beiden Künstlerinnen vereint unterschiedliche malerische Herangehensweisen: Prozesshaftes und Impulsives – kontemplativ und meditativ.
Während Schmids Arbeit auf die Notwendigkeit, Flüchtigkeit und das Ausbleiben der Zeichen verweist, wie zum Beispiel in infrequency I, archiviert Garberts seriell angelegte Malerei PU die ästhetische Vielfalt des Baumaterials Polyurethan, welches üblicherweise zur Dämmung, Dämpfung und Entdröhnung eingesetzt wird. Der reduzierte Farbeinsatz in Schmids Arbeiten deutet hingegen auf ein ephemeres Feld, auf dem intensive Dichte und Durchlässigkeit ermittelt werden. Es scheint, als schöpft die Künstlerin ihre Komposition exakt aus diesem maltechnischen Zwischenraum – ein Rauschen von Oberflächlichkeit und Tiefe oder Ruhe und Kraft ertönt. Auf diese Weise untersucht Schmid Sehgewohnheiten und mögliche Größenverhältnisse im Raum.
Der vermeintliche Ort, den Garberts Bild Cover Up zeigt, spielt ähnlich mit dem Phänomen optischer Vieldeutigkeit. Zufällig vorgefunden steht der Bildinhalt für einen konstruktiven Plan. Als an der Wand lehnendes Raumelement inszeniert, wird durch die stoffliche Textur der Oberfläche eine Sinnlichkeit mit einer formalen Ordnung verknüpft.
Die Farbpalette beider Künstlerinnen reicht von Neonpink über Tiefblau zu hellen Pastelltönen. Beide erkunden in ihrer unterschiedlichen malerischen Praxis Imaginationsräume von scheinbar Gegensätzlichem: Natur oder Künstlichkeit, abstrakt oder gegenständlich.

Jane Garbert & Solveig Schmid

PAINTING FOR DORO – Stip. 21/22 22/23

Solweig de Barry, Momo Bera, Isabella Bram, Vero Haas, Josephine Hans, Sina Link, Eleni Manolopoulos, Anna-Maria Podlacha, Ana Tomic, Emma Zimmermann & Dorothea Konwiarz

So. 18.9., 12–18 Uhr | Mi. 21.9., 16–19 Uhr | Fr. 23.9., 15–19 Uhr

Sehr geehrte Freunde der Dorothea Konwiarz Stiftung,
 
 
Wir möchten Sie herzlich zur feierlichen Wiedereröffnung unserer Galerieräume einladen.
Nach pandemiebedingter Pause und einem langwierigen Umbau freuen wir uns, nun pünktlich zur Berlin Art Week unsere Stipendiatinnen der Förderjahrgänge 2021/22 uns 2022/23 in einer gemeinsam Gruppenausstellung vorstellen zu können. 
 
Am Samstag, den 17.09., von 17 bis 21 heißen wir Sie in unseren neuen hellen und großzügigen Räumen in der Schlüterstraße 71 (Charlottenburg) willkommen. 
Im Anschluss an einführende Worte des Vorstands und die Ehrung der Stipendiatinnen um 18 Uhr, laden wir Sie zu einem Glas Wein und köstlichen Petits Fours der Patisserie in unserem Stiftungshaus ein.
 
Die Hauptsache aber ist natürlich die Kunst. Es werden Werke zu sehen sein von:
Solweig de Barry, Momo Bera, Isabella Bram, Vero Haas, Josephine Hans, Sina Link, Eleni Manolopoulos, Anna-Maria Podlacha, Ana Tomic, Emma Zimmermann und unserer Stifterin Dorothea Konwiarz.
 
Dorothea Konwiarz (1932–1999) war Malerin, Bühnenbildnerin und Architektin. In ihrem Sinne fördert die Dorothea Konwiarz Stiftung seit dem Jahr 2000 junge Malerinnen, die ihr Studium an der Universität der Künste, Berlin absolvieren oder abgeschlossen haben – wie die Stifterin selbst. Neben der finanziellen Zuwendung für ein Jahr, bekommen die Stipendiatinnen die Möglichkeit in der stiftungseigenen Galerie auszustellen.
 
Schon heute möchten wir Sie auf die kommenden Ausstellungen unserer Stipendiatinnen 2020/21 aufmerksam machen. Am Donnerstag, den 29.09., ist die Ausstellungseröffnung von Jane Garbert und Solveig Schmid. Es folgt die Präsentation der Werke von Marlen Letetzki und Olivia Parkes.
 
Die Zeit ohne kontinuierlichen Ausstellungsbetrieb haben wir genutzt, um die Stiftung in vielerlei Hinsicht weiterzuentwickeln. So konnte etwa ein Archiv für den künstlerischen Nachlass der Stifterin angelegt und unsere mediale Präsenz ausgeweitet werden. Jetzt aber freuen wir uns, in unseren Stiftungsräumen endlich wieder Kunst zeigen zu können und auf ein Wiedersehen mit Ihnen!
 
 
Dr. Cora Waschke
Malte Monjé
Lars Franke

OUT OF PAINTING – Stip. 20/21 21/22

Jane Garbert, Marlen Letetzki, Sina Link, Anna-Maria Podlacha, Solveig Schmid, Ana Tomic

Samstag, 02.07.

Aus der Malerei heraus: OUT OF PAINTING weitet den Fokus für die Grenzbereiche der Malerei im Werk der Stipendiatinnen 20/21 und 21/22. In dieser zweiten Ausstellung während des Umbaus kommt es zu Korrelationen zwischen Rohbau und Werken, die den Eindruck einer Gesamtinstallation vermitteln.

ANA TOMIC

Stipendiatin 2021/22

* 1996 in Belgrad, studierte Grafik und Buchkunst an der Universität der Künste Belgrad und seit 2017 Bildende Kunst in die Klasse von Thomas Zipp an der Universität der Künste in Berlin. Sie wohnt in Berlin.

Ich denke, dass eine Künstlerin, oder überhaupt irgendwer, nicht in einem Vakuum arbeiten kann, und dass jedes Kunstwerk auf die vorhergegangenen antwortet und auf ihnen aufbaut. Meine Arbeit untersucht den Einfluss des Kanons der Westeuropäische Kunstgeschichte auf unsere Gesellschaft heute, sowie unseren persönlichen Begriff von Kunst und Geschmack.
Ich versuche den monumentalen Eindruck kanonischer Werke durch das Missachten der strengen Regeln der realistischen Malereitechnik und Komposition zu brechen und kommentiere meinen Bilder mit Text und Collagen von Referenzen und fremden Elementen. Außerdem produziere ich meine Arbeiten meistens in Serien, sodass einige Charaktere und Orte mehrmals vorkommen, was mir eine Art von Nachahmung des Kanons ermöglicht. Damit möchte ich die künstlerische Produktion einer Mythologie zurückfordern.

 

Ana Tomic (born 1996 in Belgrade) studied Print- and Bookmaking at the Belgrade University of the Arts and now studies Fine Arts in the Class of Prof. Thomas Zipp at the Berlin University of the Arts. She lives in Berlin.

I believe that an artist, or anyone for that matter, cannot work in a vacuum and that every new artwork responds or continues on what came before. My work examines the influence canonical West-European art history has in the shaping of our society today, as well as our personal ideas of art and taste.
I try to break the monumental impression of canonical works by disregarding the strict rules of realistic painting techniques and composition, adding text and collaging my references with out of place elements. I also produce most of my works in series, with some characters and places appearing multiple times, which allows me to in a way mimic the canon, and reclaim the artistic production of a mythology for myself.

ANNA-MARIA PODLACHA

Stipendiatin 2021/22

© Ania Subdin
*1997, lebt und arbeitet in Berlin, Universität der Künste bei Christine Streuli (Fachklasse für Malerei)
Seit 2021 M.A. Bildende Kunst und Geschichte, Universität der Künste Berlin/ Humboldt-Universität zu Berlin
2017 – 2021 B.A. Bildende Kunst und Geschichte, Universität der Künste Berlin/ Humboldt-Universität zu Berlin.

In Anna-Maria Podlachas künstlerischer Praxis wird der Gegensatz von Analog und Digital zum wechselseitigen Gegen- und Ineinander, sodass zwischen diesen Ausdrucksformen kein „entweder- oder“, sondern vielmehr das „sowohl als auch“ existiert. Daher sieht Anna-Maria ihren Arbeitsprozess als malerische Bildforschung, in der sie sich mit der Synthese digitaler und analoger Malerei im postdigitalen Zeitalter auseinandersetzt. 

www.annamariapodlacha.com

SINA LINK

Stipendiatin 2021/22

*1994 in Göttingen, lebt und arbeitet in Köln und Berlin. Studiert bei Prof. Christine Streuli an der UdK Berlin.

 

Die Variabilität der Sehweise ist ein zentrales Element in meinen Arbeiten. Malerei wird erst durch Lichteinfall oder Fotografie mit Blitz sichtbar. Inhalt erst durch Partizipation des Betrachtenden oder Veränderung des Standpunkts dekodiert. Die schillernde, bunte Oberfläche verführt dabei und bricht mit dem Inhalt.

 

 

 

 

 

ISABELLA BRAM

Stipendiatin 2021/22

© Lilian Mauthofer
*1993 in Wetzlar, lebt und arbeitet in Berlin, UdK Berlin Klasse Manfred Pernice

In meinen Arbeiten entstehen Installationen und Bildobjekte, in denen Ich mich zwischen malerischen und bildhauerischen Methoden bewege. Mich interessiert der Transformationsprozess von Zwei- in Dreidimensionales, die Malerei letztlich als etwas Raumgreifendes zu verstehen, das sich von einem Bildträger an der Wand zunehmend in den Raum bewegt. Im Laufe der Beschäftigung haben der Umgang mit Wort und Text an Bedeutung gewonnen – ich verstehe die Auseinandersetzung mit Titeln und Kurzbeschreibungen nun als zentralen Teil der Arbeit. Ein weiterer Fokus ist die Übersetzung alltäglicher Bilder und Situationen. Dabei ist wichtig herauszuarbeiten, was die ‚Sinnbilder‘ bestimmter Orte überhaupt sind. Es entstehen viele Ideen, Fotos und Screenshots aus meiner Erinnerung, Online-Recherche, Social Media oder beim Spazieren. In vergangenen Arbeiten wurde der Versuch gestartet, auf sensible Weise die Angst des sozialen Abstiegs zu thematisieren – wie man sich auf traurige und kontrollierte Weise an penible Anordnungen und „eine selbstverständlichen Kulisse“ festzuhalten vermag; und dabei eventuell kläglich scheitern wird.

IG: @isabellabram

SOLVEIG SCHMID

Stipendiatin 2020/21

*1990 in Oberkirch, studierte Bildende Kunst bei Prof. Valérie Favre und Prof. Robert Lucander an der UdK, Meisterschüler 2022.

Für mich sind Linien und Formen wie Spuren  eines  performativen  Ansatzes,  welcher  die  Direktheit  meiner  Arbeitsweise  erkennen  lässt. Farbflächen  deuten  auf  undefinierbare  Formen hin, welche Größenverhältnisse verhandeln und so auch in  den Raum eingreifen und dessen Architektur kommentieren. In  manchen  Arbeiten  wirken  diese  Ausschnitte  wie  Monumente,  in  anderen  Kompositionen  wirken  sie  wie  Raumdurchquerungen  von  Schriftsilhouetten oder menschlichen Gesten. Der Leinwandstoff bietet in seiner natürlichen Farbigkeit eine Fläche, die mit der Ausdehnung der Ölfarbe auch eine Ausdehnung des Gegenstandes bewirkt und den Gedanken des reduzierten Farbspektrums erweitert.  Die  feinen,  malerischen  Strukturen  innerhalb  der  Farben und Farbübergänge  spielen  unter  anderem mit dem Phänomen der Wahrnehmung von Schärfe und Unschärfe.  Diese vermeintliche Tiefe deutet auf scheinbar unendliche  Horizonte, wie Himmel, Meer oder Elemente in verschiedenen Aggregatzuständen. Mit den groß angelegten Formausschnitten und den allover-paintings möchte ich eine Spannung zwischen Ruhe und Kraft bewirken, die zur Kontemplation einladen soll.

 

OLIVIA PARKES

Stipendiatin 2020/21

Olivia Parkes (geb. 1989 in London) ist eine britisch-amerikanische Künstlerin und Autorin, die in Berlin lebt. Sie erhielt ihren BA in Studio Art & Art History von der Wesleyan University in den USA und schloss ihr Studium an der Universität der Künste Berlin als Meisterschülerin in der Klasse Favre ab. Zu ihren jüngsten Ausstellungen und Performances gehören Mountains, Berlin (2022); Kunstquartier Bethanien, Berlin (2021); Canepa Neri, Mailand (2019); Gussglashalle, Berlin (2019); Hannah Barry Gallery, London (2019); Stadium, Berlin (2017), und Berlin Masters (2016). Sie ist Preisträgerin und Stipendiatin der Elizabeth George Stiftung, der Dorothea Konwiarz Stiftung, der Jungen Kunst Berlin und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin.

Die Gemälde von Olivia Parkes suchen nach einer visuellen Sprache für die zirkuläre Beziehung zwischen Darstellung und Realität und dem kollektiven Gefühl der Angst, das das zeitgenössische Leben beherrscht. Die Künstlerin strebt sowohl eine psychologische als auch eine physische Wiedergabe von Raum und Farbe an und verfolgt eine Form von gesättigtem oder halluzinatorischem Realismus, der dem Schrecken, der Komik und dem Mysterium der Bewegung durch die Welt angemessen erscheint.

Olivia Parkes (b. 1989 London) is a British-American artist and writer based in Berlin. She received her BA in Studio Art & Art History from Wesleyan University in the US and graduated with a Meisterschüler from Berlin University of the Arts in the Klasse Favre. Recent exhibitions and performances include Mountains, Berlin (2022); Kunstquartier Bethanien, Berlin (2021); Canepa Neri, Milan (2019); Gussglashalle, Berlin (2019); Hannah Barry Gallery, London (2019); Stadium, Berlin (2017), and Berlin Masters (2016). She is the recipient of awards and fellowships from the Elizabeth George Foundation, the Dorothea Konwiarz Stiftung, Junge Kunst Berlin, and the Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin.

Olivia Parkes’s paintings seek a visual language for the circular relationship between representation and reality and the collective sense of anxiety that governs contemporary life. The artist strives for a psychological as well as physical rendering of space and color, pursuing a form of saturated or hallucinatory realism that feels commensurate with the terror, comedy, and mystery of moving through the world.

MARLEN LETETZKI

Stipendiatin 2020/21

*1990 in Weimar, lebt und arbeitet in Berlin
studierte bei Pia Fries, Gregory Cumins, Christine Streuli an der UdK Berlin
Abschluss (Meisterschülerin): 2015

Ich male Bilder, in denen der Transformationsprozess von Farbe zu einer Darstellung von Räumlichkeit untersucht wird. Mich fasziniert, dass Farbe entweder sich selbst zeigt oder unsichtbar wird und eine Abbildung offenbart. Dabei spiele ich mit Ebenen, Andeutungen, Oberflächen und Lichtstimmungen. Ich schöpfe aus einem Bildvokabular, das vornehmlich aus einer digitalen Welt stammt. Mit 3D-Software modelliere ich virtuell Objekte und lasse sie miteinander interagieren. Es ist eine Art skulpturaler Prozess, der unabhängig von den Bedingungen der analogen Welt abläuft. Diese ‚Physics Simulations‘ machen sichtbar, wie etwas sein könnte. Durch die Übersetzung in Malerei entsteht aus dem technisch Kalkulierten etwas, das durch meine Sinne und meinen Körper physisch existent wird. Es ist eine Visualisierung des Sehens.