Today you will be with me in paradise*
Wollen wir noch einen Moment bei meinem Versprechen verweilen und bei dem, was ich zu bieten habe? Es besteht aus allem Begehrenswerten – nackt, jung und schön – das nichts anderes zu tun hat, als Ihre Augen zu erfreuen. Geschwungen und sinnlich, kostbar, ewig liegend. Das wahre Paradies, dem es nie an Potenz mangelt. Es gibt diese Version des Paradieses, die man nur in der Abwesenheit findet. Kein Leid, kein Mangel, keine Krankheit, kein Konflikt. Keine Menschen, keine Objekte, kein Geschlecht. Es gibt diese Version des Paradieses, die ewig still ist – keine Zeit, kein Ort, keine Bewegung: Unbestimmtheit. Und es gibt jene Version des Paradieses, in der das Licht gedimmt und die Bewäsche frisch ist. Und ein schöner, junger Prinz verirrt sich im Wald. Ganz allein und so jung und schön. Und wie schade, dass niemand da war, um ihn zu finden, niemand, um ihn zu sehen, niemand, um ihn zu beobachten.
Im Kern ihrer jeweiligen malerischen Praxis setzen sich Luana Cloșcă und Delphine Wigger mit den Mechanismen des Begehrens auseinander. Ob es sich nun um Machtstreben oder Erotik handelt, beides unterstreicht eine zirkuläre Struktur: Die ästhetische Form projiziert Begehren auf den Betrachter, während dieser gleichzeitig seine eigenen Wünsche auf die Form zurückprojiziert.
Luana Cloșcă wendet sich der Figur zu und verweist auf eine kunsthistorische und literarische Vergangenheit. Die Erfüllung ihres Werks liegt in den potenziellen Vorurteilen und Annahmen, die ein Betrachter einem erkennbaren Bild entgegenbringt.
Delphine Wigger hingegen lädt Objekte und Sprachfragmente mit einer subtilen erotischen Provokation auf und konzentriert sich auf Objekte, deren einzige Funktion darin besteht, Erfolg zu signalisieren, anstatt einem praktischen Zweck zu dienen.
Die formale Zurückhaltung beider Praktiken erzeugt zusammen mit ihren räumlich minimalistischen Kompositionen eine unterschwellige Spannung. Das in den Werken verstreute erotische Potenzial tritt weder unmittelbar noch explizit zutage; vielmehr wirkt es als Projektion, geprägt von überlieferten Tropen des Sinnlichen in der Geschichte von Literatur und Bildgestaltung.
Cloșcă | Wigger
* Lukas 23:42
Today you will be with me in paradise*
Can we linger a little longer on my promise, and on what it is that I can offer? It is made of all things desirable – bare, young, and beautiful – with nothing to do but appease your eyes. Curved and sensual, precious, ever-laying. The precise paradise that never lacks in potency. There is this version of paradise that you can only find in absence. No suffering, no scarcity, no disease, no conflict. No objects, people, no gender. There is this version of paradise that is ever still – no time, no place, no movement: non-specificity. And there is that version of paradise where the lights are dim and the bedsheets clean. And a young, beautiful prince gets lost in the woods. All alone and all so young and beautiful. And what a pity there was no one to find him, no one to see him, no one to watch him.
At the base of their painterly practices, both Luana Cloșcă and Delphine Wigger engage with the mechanisms of desire. Whether the urge is one for power or eroticism, they underline a circular structure: aesthetic form casts desire onto the viewer – while the viewer simultaneously projects their own desires back onto the form.
Luana turns to the figure, referencing an art-historical and literary past, locating the fulfillment of her work in the potential biases and assumptions a viewer brings to a recognizable image.
Delphine, by contrast, charges objects and linguistic fragments with a subtle erotic provocation and focuses on objects whose sole function is to signal achievement rather than to serve any practical purpose.
The formal restraint present in both practices, together with their spatially minimal compositions, generates a muted tension. The underlying erotic potential scattered throughout the works does not surface immediately nor appear explicitly; rather, it operates as a projection shaped by inherited tropes of the sensual within the histories of literature and image-making.
Cloșcă | Wigger
* Lucas 23:43
